Ö1
Als er noch jung war, konnte Shenya betörend auf der Flöte spielen. Denn nur wer die Flöte spielen konnte, wurde von den Mädchen erhört. Bei einem Überfall einer rivalisierenden Bande werden Shenya jedoch die Zähne ausgeschlagen, und ein Schlag auf den Kehlkopf raubt ihm die Stimme. Nie mehr, das weiß Shenya, wird ihn ein Mädchen erhören. Den Rest seines langen Lebens wird er allein bleiben müssen. Um dieses Unheil zu kompensieren, beginnt er an einem Instrument zu bauen, das er ohne Zähne spielen kann: Er erfindet das Akkordeon.Die letzten Jahre seines Lebens - er mag bereits hundert sein oder noch mehr - zieht sein Neffe Grigori zu ihm ins Haus, um ihn zu waschen, zu füttern und in den Tod zu begleiten. Und eines Tages beginnt Shenya zu erzählen. Er erzählt von seiner ersten und einzigen Liebesnacht, damals, in dem kleinen Dorf in den Karpaten, als er noch Zähne und eine helle Stimme hatte. Er erzählt von einem Mädchen am Fenster, und davon, wie er dem, der ihm Zähne, Stimme und damit die Liebe raubte, eines Nachts das Messer an die Kehle setzte. Grigori zeichnet die Erzählung seines Onkels auf. Drei kratzende Schellacks bilden das Grundmaterial des "Konzerts für Akkordeon, Ziegenglocken und blutenden Mund" (Produktion ORF 2007).
Samstag 14:00 Uhr
Bayern 2
Nach dem Roman "Berlin Alexanderplatz" Von Alfred Döblin Franz Biberkopf und Hiob - Andreas Leupold Reinhold - Andreas Schmidt Mieze - Jule Böwe Eva - Astrid Meyerfeldt Ferner: Otto Mellies, Arta Adler, Dieter Mann, Florian Martens, Milan Peschel, Sven Plate, Detlef Bierstedt, Till Hagen, Rolf Zacher und andere Komposition: Kai-Uwe Kohlschmidt/Tarwater Regie: Kai Grehn Produktion: SWR/rbb/BR 2007 Alfred Döblin ist ein frühes Beispiel für einen intermedial arbeitenden Schriftsteller. Er konzipierte die "Geschichte vom Franz Biberkopf" nach den stilistischen und technischen Anforderungen der drei Medien Roman, Film und Hörspiel. Die Aufnahme von 1930 kann als Meilenstein in der Entwicklung des Hörspiels gelten. Doch das Stück wurde aus rundfunkpolitischen und künstlerischen Gründen vier Stunden vor der Ursendung abgesetzt. 77 Jahre später greift Kai Grehn in seiner Inszenierung die Faszination des Autors für das Medium Radio auf. Als Hommage an den großen Schriftsteller Alfred Döblin treten die Berliner Autoren Thomas Brussig, Tanja Dückers, Judith Hermann, Johannes Jansen, Katja Lange-Müller, Steffen Mensching und Torsten Schulz als Stimmen im Hintergrund auf. "Dem SWR gelingt das Kunststück, das Zeitkolorit der späten 20er zu bewahren und den Stoff zugleich vermittels aktueller musikalischer Grundierung von Kai Uwe Kohlschmidt ins Heute zu heben. Ein großes Stück Wirklichkeit ist zu hören. Das Hörspiel macht Lust, den Roman wieder zu lesen." (Aus der Begründung der Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste zum Hörspiel des Monats Juni 2007).
Samstag 15:15 Uhr
Deutschlandfunk
Von Franz Mon Mitwirkende: Chris Pichler, Markus Meyer und Wolf-Dietrich Sprenger Regie: Franz Mon HR 2010/72'11 "Die Versuchsanordnung des Stückes von Franz Mon, das er selbst inszeniert hat, wirkt erst einmal bemüht: Eine Geschichte zu erzählen, die anfangs vom Buchstaben A dominiert wird, ehe sich das B nach vorne drängt und so weiter, bis zum Z. Desto höher ist einzuschätzen, dass sich der Esprit nicht in dieser gewitzten Idee erschöpft. Sondern Mon sie überführt in ein Fest der - gerade auch: gesprochenen - Sprache: Als Ganzes gesehen ist die Geschichte nah am Nonsens, und doch geht ein Gedanke logisch aus dem vorherigen hervor, so dass immer neue, zündende Sinnbezüge entstehen. Es sind Satzkaskaden, die man sprechen respektive hören muss, damit sie ihre ganze Wirkung entfalten, weshalb das Hörspiel mit seinen Möglichkeiten der Rhythmisierung von Sprache die angemessene Form ist für diesen ebenso genauen wie verspielten Text. Da jedes Inhaltswort nur einmal auftaucht, zeigt Mon zudem, wie reich das Deutsche ist; über welch schöne, dabei selten gehörte Wörter es gebietet". (Begründung der Jury) Es, im Zustand wie gesehen (Teil 2)
Samstag 20:05 Uhr
DRS 2
«Morning Room» von Michael Arditti Die Geschwister Sarah und Ralph sind nach der Beerdigung ihrer Mutter ins elterliche Haus zurückgekehrt, wo Mutter und Tochter die vergangenen 30 Jahre zusammen gelebt haben. Ralph hat Manchester schon als junger Mann verlassen, er ist Lehrer in London. Jetzt sprechen Bruder und Schwester zum ersten Mal offen über das, was in ihrem Leben bisher tabu war.An der Frage, was nun mit dem Elternhaus geschehen soll, entzündet sich eine Auseinandersetzung, die zum Gerichtstag wird, den die Geschwister übereinander halten. Mit: Renate Schroeter (Sarah), Amido Hoffmann (Ralph), Angelica Arndts (Tante Jessie)Aus dem Englischen von Anne Marie TreichlerRegie: Stephan Heilmann - Produktion: Schweizer Radio DRS, 1992 - Dauer: 37'
Samstag 21:00 Uhr
SWR4 Baden-Württemberg
Hörspiele und Sketche in Mundart Tuten und Blasen Mundarthörspiel von Susanne Hinkelbein Irgendwo auf der schwäbischen Alb beschließen vier verkrachte Existenzen, eine Blasmusikcombo zu gründen, auch wenn Rudi, Gerd und Oskar alles andere als musikalisch sind. Als Franz eine Posaune in seiner Garage findet nimmt die Geschichte seinen Lauf: Die Herrenclique aus KFZ - Mechanikern, Installateuren und Maschinenbauern startet ihre musikalische Karriere. Zuerst versuchen sie es im eigenen Dorf, doch bald schon suchen die Vier Anerkennung auf internationaler Ebene. Beim Papstbesuch, auf der Olympiade in China und bei einer Schiffstaufe geben sie ihren ohrenbetäubenden Blues zum Besten und hoffen dabei immer auf eins: den großen Durchbruch! Susanne Hinkelbein ist 1953 in Stuttgart geboren und studierte Philosophie, Psychologie und Germanistik auch Klavier. Sie arbeitet als Komponistin, Theatermusikerin und Regisseurin. Mit: Stefan Hallmayer, Berthold Biesinger, Gerd Plankenhorn und Peter Höfermayer Regie: Susanne Hinkelbein Produktion: SWR Tübingen 2008
Samstag 21:00 Uhr
NDR 4 Info
Mord auf der Klappe (1/2) Nach dem gleichnamigen Roman von Tony Fennelly Übersetzung aus dem Amerikanischen: Mechthild Küpper Hörspielbearbeitung: Doris Gercke Regie: Corinne Frottier Mit Lutz Herkenrath, Gottfried John, Dietmar Mues, Erdogan Atalay, Klaus Rodewald, Rüdiger Kuhlbrodt u. v. a. NDR 1993 H. R. Loomis, angesehener weißer Geschäftsmann und ambitionierter Politiker in New Orleans, ist hinter einem Klappenloch in der Toilette einer Schwulenbar brutal ermordet worden. Polizei-Lieutenant Frank Washington bittet Matt Sinclair, einen ehemaligen Kollegen, der seinen Dienst quittierte, um seinen schwulen Neigungen offen nachgehen zu können, bei den Ermittlungen im ,,Milieu" um Hilfe. Während Matt, inzwischen erfolgreicher Antiquitätenhändler, entgegen der Abmachung auch in den vornehmen weißen Vierteln recherchiert, werden noch drei Männer auf ähnlich grässliche Weise umgebracht. Auch Matt, immer anfällig für die Schönheit junger Männer, entkommt knapp dem Tod. Geht es hier um mehr als um Racheakte in der Schwulenszene? Welche Rolle spielt die Mafia? Hat der Fall politische Brisanz? Jedenfalls das steht bald fest war H. R. Loomis nicht der bürgerliche Ehrenmann, den er in der Öffentlichkeit präsentierte. Tony Fennelly, geboren 1945, wuchs in Mountain Lakes, New Jersey, auf, arbeitete nach der Highschool u. a. als Bardame, Stripperin und als Sozialpädagogin, studierte dann Schauspielerei in New Orleans und begann zu schreiben. 1985 erschien ihr erstes Buch aus der Reihe um Matt Arthur Sinclair, einen homosexuellen Epileptiker.
Samstag 21:05 Uhr